Tel Aviv ist eine Stadt voller Gegensätze. Auf der einen Seite wachsen Hochäuser aus Glas und Stahl in den Himmel, auf der anderen Seite schlängeln sich schmale Gassen durch scheinbar renovierungsbedürftige Viertel. Wie in allen angesagten Städten Europas hat auch hier die Gentrifizierung mit großen schritten Einzug gehalten. Immer mehr Zuwanderer aus der ganzen Welt (zurzeit besonders aus Frankreich) wollen in der Stadt am Mittelmeer leben. Die Stadt verändert sich damit stätig, wächst, entwickelt sich weiter und die vor einigen Jahren noch unattraktiven Viertel werden jetzt von Hippstern aus der ganzen Welt okkupieret. Diese Entwicklung ist, wie in anderen Städten auch, keine unproblematische. Dennoch haben wir es uns erlaubt, dieses neue Tel Aviv und seine Hippster-Locations ganz unkritisch zu genießen.

Den ersten Stadtteil, den ich euch vorstelen möchte ist Jaffa, der einstmalige Fischerort. Davon sind heute nur noch Ansätze zu erkennen, seine Atmosphäre hat sich dieser Stadtteil dennoch bewahrt. Das Zentrum der Altstadt wurde bereits vor Jahren restauriert und zu einem Touristenhighlight ausgebaut. Ich persönlich finde diesen Teil von Jaffa zwar sehenswert, es fehlt mir hier aber die Authentizität, die man als Tourist doch immer wieder sucht. Lohenswert ist aber das kleine Café am Eingang zum Hafen. Hier kann man den Sonnenuntergang hervorragend mit einer sehr guten Tasse Kaffee genießen.

Schon ein Stückchen von dem Altstadtzentrum enfernt, befindet sich die sogenannte Fleemarket Area. Tatsächlich lässt sich hier tagsüber jede Menge Trödel aber auch antikes erstehen. Spannend für alle vintage Fans. Dazu mischen sich kleine Läden von israelischen Designern und natürlich jede Menge Cafés und Restaurants. Wenn dann nach Sonnenuntergang die Auslagen eingepackt und die Läden geschlossen werden, verändert der Stadtteil sein Gesicht. Wo sich vorher Flohmarktstände aneinander reihten, stellen nun die Barbetreiber ihre Tische nach draußen, Dj’s bringen ihre Equipment in Position und man findet auch spät in der Nacht noch ein Plätzchen zum Sheshbesh bzw. Backgammon spielen. Abgerundet wird der Abend mit einem Malabi, einer typisch israelischen Milchspeise, für die Kenner auch gerne um 1 Uhr nachts noch Schlange stehen.

Besonders empfehlenswert ist hier das türkisch-israelische Lokal Onza. Auch hier sitzt man auf der Straße und genießt viele kleine Köstlichkeiten bester Qualität. Auch die Cocktails sind hier ausgezeichnet. Ohne längerfristige Reservierung geht hier allerdings garnichts
Wer es etwas aufgeräumter mag, der sollte tagsüber unbedingt einen Bummel durch Neve Tzedek machen. Dieser Stadtteil gehört schon lange zu den besten Adressen in Tel Aviv und ist nach wie vor einen Besuch wert. Hier reihen sich schicke Boutiquen und Cafés aneinander. Der eigentlich wichtigste Grund hierher zu kommen ist aber die Eisdiele ANITA.

Ein ebenfalls aufstrebender Stadtteil ist Florentine. Hier kann man die ganze Nacht von Bar zu Bar schländern – oder taumeln – jeh nachdem und sich ab und zu in kleinen Galerien inspierieren lassen. Eine absolut coole Location ist das Teder.fm. Eigentlich handelt es sich bei diesem Gebäude um ein traditionelles Einkaufszentrum für Textilien. Das hat seine besten Zeiten aber schon lange hinter sich. Nachts verwandelt es sich jedoch eine der angesagtesten Locations. Hier hat ein bekannter Radiosender Tel Avivs seinen Sitz und läd regelmäßig abends zu Musikevents ein. Außerdem betreibt hier Tel Avis Szenekoch Eyal Shani eine Pizzarie und ein Restaurant. Im ersten Stock kann man mit Blick auf den Barbereich im Innenhof speisen, im Innenhof selbst Serviert der Celebrety Kock hauchdünne, supergroße Pizzen ganz rustikal auf Pappe. Am besten teilt man sich eine große Pizza mit seinen Freunden. Dazu werden jeweils Oliven, frisches Gemüse und Kräuterpesto gereicht. Als ich dort war, konnte man sich Zeichenutensilien ausleihen und bei Livemusik und Pizza seiner Kreativität freien Lauf lassen.

Natürlich kann man all diese Stopps nicht in 24 Stunden abarbeiten, zwei bis drei Tage sollte man schon einplanen. Aber Tel Aviv ist nicht groß und mit dem Fahrrad kann man die stadt bei Tag und bei Nacht ganz unkompliziert erkunden. Mich hat die Stadt mit ihren Unterschiedlichkeit, ihrer Unaufgeräumtheit und ihrer Vielfalt sehr inspiriert. Selten konnte ich den Spirit einer Stadt so intensiv aufnehmen und erhalten. Tel Aviv, du hast mein Herz erobert. Diesmal wird es keine fünf Jahre mehr dauern, bis ich zurück bin – versprochen.